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Titelbild auf bernsteinfarbenem Grund mit Fadi Semmo im runden Bildausschnitt, links der Schriftzug Wo fange ich mit KI an

7 Minuten

Fadi

23. Juni 2026

In der ersten Session kommt fast immer dieselbe Frage.

Es ist nicht die Frage nach dem richtigen Werkzeug. Hier steht, was in der ersten Stunde tatsächlich passiert, womit du hineingehst und woran du merkst, dass sich die Stunde gelohnt hat.

Stell dir eine Fotografin vor, die seit sechs Wochen Werkzeuge vergleicht. Sie hat drei Testzugänge, zwei Vergleichstabellen und eine Liste mit Funktionen, die sie nie brauchen wird. Abgegeben hat sie in diesen sechs Wochen keine einzige Aufgabe. Ihre Frage lautet: Welches Tool soll ich jetzt nehmen?

Das ist nie die eigentliche Frage. Die eigentliche Frage lautet: Wo fange ich überhaupt an? Sie klingt technisch, sie ist es nicht. Wer sie stellt, weiß meistens nicht genau, wohin die eigene Arbeitszeit geht. Ohne diesen Überblick führt jedes Werkzeug ins Leere, auch das beste.

FADIS KERNPUNKTE

Ein Erstgespräch über KI ist nur so gut wie die Vorarbeit, die davor liegt. Wer ohne eine konkrete Aufgabe hineingeht, bekommt ein interessantes Gespräch und sonst nichts. Das klingt hart, es ist aber ein häufiger Grund, warum solche Termine folgenlos bleiben.

Die unbequeme Seite: Die wichtigste Vorarbeit kann dir niemand abnehmen. Eine Woche Aufmerksamkeit für den eigenen Kalender und ein ehrlicher Blick darauf, welche Tätigkeit sich wirklich wiederholt, liegen bei dir. Wer beides mitbringt, geht mit einem Ergebnis aus der ersten Stunde und nicht nur mit einem guten Gespräch.

Das Erstgespräch selbst kostet nichts. Es klärt in 30 Minuten, ob sich deine Tätigkeit für einen Workflow eignet. Gebaut wird der Workflow danach im Sprint, an deiner echten Aufgabe und in einer Sitzung.

Die Frage hinter der Tool-Frage

Die Frage nach dem richtigen Werkzeug kommt selten nackt. Sie versteckt sich hinter Sätzen wie „Ich habe das Gefühl, ich verpasse gerade etwas" oder „Alle reden davon, ich komme nicht hinterher". Manchmal klingt sie nach Neugier, manchmal nach Druck. Im Kern ist es dieselbe Frage, und sie hat wenig mit Software zu tun. Sie lautet: Wo fange ich an, ohne die nächsten drei Wochen zu verlieren?

Diese Frage lässt sich nicht beantworten, solange die Aufgabe fehlt. Ein Werkzeug, das lange Verträge am Stück liest, nützt der Fotografin aus dem Beispiel nichts, wenn ihr eigentliches Problem das Sortieren von Kundenanfragen ist. Deshalb beginnt ein brauchbares Gespräch nicht bei der Software, sondern bei der Woche, die hinter dir liegt. Wenn du das allein durchziehen willst, habe ich das Verfahren zum Selbermachen an anderer Stelle aufgeschrieben, mit Zettel und Stoppuhr statt mit Abo.

Was in der ersten Stunde tatsächlich passiert

Ein gutes Erstgespräch beginnt mit einer Frage, die nichts mit Technik zu tun hat: Welche Tätigkeit hat dich in der vergangenen Woche am meisten genervt? Nicht die schwierigste, nicht die wichtigste, die lästigste. Die Antwort kommt fast immer schnell, weil jeder sie kennt. Sie lautet dann: die Angebote, die ich dreimal die Woche in derselben Form tippe, oder die Wochenzusammenfassung, die niemand liest.

Die Auswahl über das Ärgernis ist kein Trick, sie hat einen praktischen Grund. Lästige Tätigkeiten sind meistens gleichförmig, und Gleichförmigkeit ist genau das, was sich abgeben lässt. Die wichtigste Aufgabe dagegen ist oft die, in der dein Urteil steckt. Die willst du behalten. Wer das Gespräch bei der Königsdisziplin beginnt, redet zwei Stunden über etwas, das am Ende niemand automatisieren sollte.

  1. Die lästigste Tätigkeit benennen: Was hat dich in der vergangenen Woche am meisten genervt? Nicht die schwierigste, die lästigste.
  2. Schätzen, dann nachrechnen: Erst der Bauchwert, danach die gemessene Zeit. Die Lücke zwischen beiden ist der eigentliche Befund.
  3. In Teilschritte zerlegen: Welcher einzelne Schritt ist gleichförmig genug, dass ihn ein Werkzeug übernehmen kann?

Der zweite Schritt ist der unangenehme. Du schätzt, wie lange die Tätigkeit dich pro Woche kostet, und danach rechnest du nach. Geschätzt und gemessen liegen bei Routinearbeit oft weit auseinander. Der Grund ist einfach: Die kleinen Unterbrechungen fallen aus der Erinnerung heraus. Fünfzehn Minuten am Tag klingen nach nichts. Über eine Woche sind das mehr als eine Stunde, über ein Jahr mehr als eine Arbeitswoche.

Erst danach wird zerlegt. Eine Tätigkeit ist nie ein Block, sie besteht aus vier oder fünf Teilschritten, und die wenigsten davon kommen für ein Werkzeug in Frage. Beim Angebotschreiben wäre das Verstehen der Kundenanfrage der schwierige Teil, das Formulieren des Standardtextes dagegen nicht. Genau diesen einen Teilschritt suchst du. Er ist klein genug, dass du in einer Stunde eine brauchbare Anweisung dafür schreibst, und klein genug, dass ein Fehlschlag nichts kaputt macht.

Irgendwo in diesem Zerlegen passiert der eigentliche Moment. Die Person hört auf, von KI zu sprechen, und spricht von ihrer Arbeit. Bei der Fotografin aus dem Beispiel wäre das der Satz: Moment, dann müsste ich diese Mails ja gar nicht jeden Morgen selbst durchgehen. Dieser Moment ist das Ergebnis der ersten Stunde, nicht eine fertige Anweisung und schon gar kein neues Abo. Ab da lassen sich die nächsten Schritte oft allein bauen.

Was ein Erstgespräch nicht leisten kann

Drei Dinge passieren in einer ersten Stunde nicht. Es gibt kein Werkzeug-Tutorial, weil Tutorials auf Video besser aufgehoben sind. Es gibt keine Strategie für die nächsten fünf Jahre, weil niemand weiß, welche Werkzeuge es dann gibt. Vor allem ersetzt ein Gespräch nicht die eigene Vorarbeit. Wer ohne eine konkrete Tätigkeit kommt, verbringt die Stunde damit, gemeinsam eine zu suchen, und geht mit einem guten Gefühl statt mit einem Ergebnis hinaus.

Was ein Erstgespräch dagegen leistet: In 30 Minuten klärt es, ob sich deine Tätigkeit für einen Workflow eignet und wie er ungefähr aussehen würde. Gebaut wird er danach im KI-Workflow Sprint, an deiner echten Aufgabe und in einer Sitzung von 90 bis 120 Minuten. Am Ende steht ein Ablauf, der am nächsten Tag läuft, und keine Liste mit Ideen.

Womit du in das Gespräch gehst

Drei Dinge reichen, und du sammelst sie in einer normalen Arbeitswoche nebenbei. Erstens eine Tätigkeit, die sich mindestens wöchentlich wiederholt und dich ärgert. Zweitens eine gemessene Zahl dazu, keine geschätzte: wie lange sie tatsächlich dauert, mit der Stoppuhr am Handy erfasst. Drittens ein Beispiel für ein Ergebnis, das du gut findest, etwa ein Angebot, das du selbst geschrieben hast und mit dem du zufrieden warst.

Was du mitbringst Wofür es gebraucht wird
Eine wiederkehrende Tätigkeit Ohne feste Aufgabe gibt es nichts zu zerlegen
Eine gemessene Zeit Der Vergleichswert, an dem du später den Nutzen ablesen kannst
Ein Beispiel für ein gutes Ergebnis Die Messlatte, an der sich jede Anweisung prüfen lässt

Der dritte Punkt wird am häufigsten übersehen und ist der wichtigste. Ohne ein Beispiel für ein gutes Ergebnis lässt sich keine Anweisung formulieren, die jemand prüfen kann. Alles darüber hinaus brauchst du nicht: keine Werkzeugliste, keine Testzugänge, keine Vorkenntnisse zu Prompts. Wenn du die drei Punkte lieber schriftlich vor dir hast, findest du sie mit den passenden Fragen in meiner KI-Workflow-Checkliste.

Woran du merkst, dass es sich gelohnt hat

Der Prüfstein ist nicht das Gefühl am Ende des Gesprächs. Gute Gespräche fühlen sich zuverlässig gut an, auch die folgenlosen. Der Prüfstein steht zwei Wochen später auf deiner Stoppuhr: dieselbe Tätigkeit, dieselbe Messung, zwei Zahlen zum Vergleichen. Sparst du weniger als zehn Minuten am Tag, war die Aufgabe die falsche. Dann nimmst du dir die nächste von deiner Liste vor, nicht das nächste Werkzeug.

Es gibt noch ein zweites Zeichen, und das merkst du an der Sprache. Wer nach einem Gespräch sagt, er habe ein neues Werkzeug kennengelernt, nutzt es oft schon drei Wochen später nicht mehr. Wer sagt, er wisse jetzt, wie er seinen Montagmorgen anders aufteilt, baut sich die nächsten Abläufe allein. Der Unterschied liegt nicht im Werkzeug. Er liegt darin, ob du deine eigene Arbeit danach anders siehst.

Fadi Semmo, KI-Workflow-Coach

Über den AutorFadi Semmo
Begleitet Solo-Selbstständige im DACH-Raum dabei, KI in den Arbeitsalltag zu integrieren. Er verfügt über 3+ Jahre Erfahrung mit KI-Workflows und KI-Agenten zur Beschleunigung von Aufgaben und zur Kosteneinsparung.

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