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Titelbild mit Fadi Semmo vor einer petrol- und bernsteinfarbenen Lichtfläche, links der Schriftzug Claude oder ChatGPT und darunter Der ehrliche Test

10 Minuten

Fadi

23. Juni 2026

Claude vs. ChatGPT: Welches KI-Tool ist wirklich besser für dein Business?

Die ehrliche Antwort vorweg: Es gibt kein besseres Werkzeug. Hier stehen die belegten Preise, der eine Unterschied, der im Alltag wirklich zählt, und die Grenzen, die beide haben.

Stell dir einen Architekten vor, der seit einem Jahr beide Abos bezahlt. Er hat sie abgeschlossen, weil er sich nicht entscheiden konnte, und benutzt seitdem beide für dasselbe: E-Mails formulieren und Texte kürzen. Rund 40 $ im Monat für eine Aufgabe, die ein einzelnes Werkzeug erledigen würde.

Der Fehler liegt nicht in der Wahl, er liegt in der Frage. „Welches ist besser?" lässt sich nicht beantworten, solange offen ist, wofür. Die beiden unterscheiden sich an wenigen Stellen wirklich, und diese Stellen haben nichts mit dem Gefühl zu tun, das ein Chatfenster hinterlässt. Sie stehen in der Dokumentation der Anbieter, und auf die stützt sich dieser Artikel.

FADIS KERNPUNKTE

Fast jeder Vergleich zwischen diesen beiden Werkzeugen hat ein Ablaufdatum, und fast keiner schreibt es dazu. Beide Anbieter ändern Tarife, Modelle und Grenzen mehrmals im Jahr. Ein Artikel ohne Datum an den Zahlen ist nach drei Monaten nicht mehr falsch oder richtig, sondern einfach nutzlos.

Der zweite Punkt ist unbequemer. Die meisten Vergleiche drehen sich um Ton, Persönlichkeit und Gefühl. Das sind die Dinge, die sich am schnellsten ändern und am wenigsten messen lassen. Was sich messen lässt, ist die Menge Text, die ein Werkzeug auf einmal überblickt, und was es kostet. Genau darum geht es hier.

Der dritte Punkt betrifft dich mehr als die Werkzeuge: Wer nicht sagen kann, welche Aufgabe er abgeben will, trifft mit keiner der beiden Entscheidungen eine gute. Zwei Abos nebeneinander sind kein Ausweg aus dieser Frage, sie sind nur die teurere Variante davon.

Warum die Frage nach dem Sieger nicht funktioniert

Beide Anbieter veröffentlichen mehrmals im Jahr neue Modelle. Ein Modell ist die Fassung des Programms, die hinter dem Chatfenster rechnet, und jede neue Fassung verschiebt die Stärken. Was im Frühjahr noch ein klarer Vorsprung war, ist im Herbst eingeholt. Wer heute einen Testsieger kürt, beschreibt einen Zustand, der bereits im Vergehen ist.

Dazu kommt ein Problem mit der Vergleichbarkeit. Die Antworten hängen nicht nur vom Werkzeug ab, sondern auch davon, wie gut die Anweisung formuliert ist. Zwei Leute können dasselbe Werkzeug nutzen und zu gegensätzlichen Urteilen kommen, weil der eine drei Sätze schreibt und die andere eine halbe Seite mit Beispielen. In fast jedem Vergleichstest im Netz steckt deshalb mehr über den Tester als über das Werkzeug.

Was übrig bleibt, wenn du Geschmack und Tagesform abziehst, sind harte Eigenschaften: der Preis, die Textmenge, die auf einmal verarbeitet wird, und die Funktionen, die es bei einem gibt und beim anderen nicht. Diese drei lassen sich nachschlagen und belegen. Alles andere ist eine Momentaufnahme. Wenn du die Aufgabe noch gar nicht kennst, für die du ein Werkzeug suchst, hilft dir kein Vergleich weiter. Dann brauchst du zuerst ein Verfahren, das bei der Aufgabe ansetzt, und danach diesen Artikel.

Was die beiden im September 2026 kosten

Beide Anbieter weisen ihre Tarife in US-Dollar aus. Ich rechne die Beträge nicht um, weil das Ergebnis vom Tageskurs und von der Mehrwertsteuer abhängt und damit eine erfundene Zahl wäre. Was du tatsächlich abgebucht bekommst, siehst du beim Abschluss.

Der Einstieg bei Claude heißt Pro und kostet laut der Preisseite von Anthropic 20 $ im Monat, bei Zahlung für ein ganzes Jahr sind es 17 $ im Monat, also 200 $ im Jahr. Darüber liegt Max ab 100 $ im Monat, wahlweise mit der fünffachen oder der zwanzigfachen Nutzungsmenge. Bei ChatGPT gibt es unterhalb des bezahlten Einstiegs zusätzlich eine kostenlose Stufe und eine günstigere Zwischenstufe namens Go, darüber Plus und Pro.

Stufe Claude ChatGPT
Kostenloser Zugang vorhanden vorhanden, mit begrenzter Bildgenerierung
Große Einzelstufe Max, ab 100 $ im Monat Pro, 100 $ im Monat
Team, je Platz bei Jahreszahlung 20 $ 20 $
Team, je Platz monatlich 25 $ 25 $

Angaben der Anbieter, Stand: September 2026. Bei ChatGPT sind Neuanmeldungen für die 200-$-Stufe seit dem 10. September ausgesetzt.

Ein Detail aus dieser Woche zeigt besser als jedes Argument, warum Zahlen ohne Datum nichts taugen: Bei ChatGPT hat Pro zwei Stufen, eine für 100 $ und eine für 200 $ im Monat. Neuanmeldungen und Wechsel in die 200-$-Stufe sind seit dem 10. September 2026 vorübergehend ausgesetzt, Neukunden bekommen nur die kleinere. Wer diesen Artikel in einem halben Jahr liest, findet dort möglicherweise wieder etwas anderes vor.

Bei den Tarifen für kleine Teams nehmen sich beide nichts. Ein Platz kostet bei Claude wie bei ChatGPT 20 $ im Monat bei Jahreszahlung und 25 $ bei monatlicher Zahlung. Der Preis ist an dieser Stelle also kein Entscheidungskriterium. Wenn du allein arbeitest, brauchst du diese Stufe ohnehin nicht, sie lohnt sich erst mit gemeinsamer Verwaltung mehrerer Zugänge.

Der eine Unterschied, der im Alltag wirklich zählt

Das Kontextfenster ist die Menge Text, die ein Werkzeug in einem Gespräch auf einmal überblicken kann. Gemessen wird sie in Token, und ein Token ist ungefähr ein halbes bis ein ganzes deutsches Wort. Alles, was du hineingibst, zählt mit: das hochgeladene Dokument, deine Anweisung und jede Antwort, die schon im Gespräch steht. Ist das Fenster voll, fällt der Anfang hinten heraus.

Hier liegen die beiden am weitesten auseinander. Bei ChatGPT hängt die Grenze am Tarif: 27.000 Token im kostenlosen Zugang, 54.000 bei Go und Plus, 128.000 bei Pro mit den schnellen Modellen und 400.000 mit den nachdenklichen. Bei Claude hängt sie am Modell, nicht am Tarif: Die neuesten Modelle bieten 1 Million Token auf allen bezahlten Plänen, ältere 500.000 oder 200.000. Alle Angaben mit Stand September 2026.

Wie viele Seiten Text auf einmal hineinpassen

ChatGPT, kostenlos68 Seiten
ChatGPT Go und Plus135 Seiten
Claude, ältere Modelle500 Seiten
ChatGPT Pro1000 Seiten
Claude, neueste Modelle2500 Seiten

Angaben der Anbieter, September 2026

In Seiten wird der Abstand greifbar. Anthropic rechnet mit rund 400 Token je Seite, 200.000 Token entsprechen also etwa 500 Seiten. Damit kommt der Einstiegstarif bei ChatGPT auf etwa 135 Seiten, der bei Claude auf rund 2.500. Das ist der Faktor 18 zum selben Monatspreis.

Für den Alltag heißt das Folgendes. Eine E-Mail, ein Angebot, ein Blogtext: Dafür reichen 54.000 Token mit großem Abstand, dieser Unterschied spielt keine Rolle. Ein 60-seitiger Vertrag braucht etwa 24.000 Token und passt ebenfalls in beide. Erst darüber wird es eng. Ein Jahresbericht mit 300 Seiten liegt bei rund 120.000 Token und passt im Einstiegstarif nur bei einem der beiden hinein. Wer regelmäßig mehrere lange Dokumente nebeneinander legen will, etwa drei Angebote zum Vergleichen, ist mit dem größeren Fenster deutlich besser bedient.

Die ehrliche Einschränkung dazu: Die allermeisten Aufgaben von Solo-Selbstständigen bleiben weit unter dieser Grenze. Wenn dein längstes Dokument der Mietvertrag für das Büro ist, kaufst du dir mit dem größeren Fenster nichts. Der Unterschied entscheidet nur, wenn lange Texte dein Tagesgeschäft sind.

Wo ChatGPT klar vorne liegt

Bilder sind der deutlichste Punkt. ChatGPT erzeugt sie in jedem Tarif, im kostenlosen Zugang begrenzt und langsamer, im Pro-Tarif ohne Mengenbegrenzung. Claude erzeugt keine Bilder. Wenn du regelmäßig Grafiken für Beiträge, Angebote oder deine Website brauchst, ist das kein Randthema, sondern der Grund, ChatGPT zu nehmen. Ein zweites Abo nur für Bilder wäre die teurere Lösung für dasselbe Ergebnis.

Der zweite Punkt ist die Sprachfunktion. Ein Gespräch führen statt tippen klingt nach Spielerei, es ist im Auto oder auf dem Weg zur Baustelle aber ein echter Unterschied. Wer seine Gedanken lieber diktiert als schreibt, arbeitet damit spürbar schneller. Auch hier ist ChatGPT weiter.

Der dritte Vorteil kostet nichts und wird deshalb oft übersehen: die kostenlose Stufe. Beide Anbieter haben eine, bei ChatGPT gehört die Bildgenerierung dazu, wenn auch begrenzt und langsamer. Für den ersten Monat, in dem du herausfindest, ob dir ein solches Werkzeug überhaupt Arbeit abnimmt, reicht das in vielen Fällen. Schließe kein Abo ab, bevor du eine konkrete Aufgabe hast, die im kostenlosen Zugang an eine Grenze stößt. Diese Grenze ist der beste Beleg dafür, dass sich das Abo lohnt.

Der vierte Punkt lässt sich schlechter belegen und gehört trotzdem dazu: Verbreitung. ChatGPT ist das bekanntere Werkzeug, es gibt mehr Anleitungen, mehr Videos und mehr Leute im eigenen Umfeld, die eine Frage beantworten können. Für jemanden, der ohne IT-Abteilung anfängt, ist das ein handfester Vorteil. Die beste Funktion nützt nichts, wenn niemand erklären kann, wie sie funktioniert.

Wo beide an ihre Grenzen kommen

Die erste Grenze betrifft Zahlen. Beide Werkzeuge rechnen unzuverlässig, wenn die Zahlen aus einem hochgeladenen Dokument stammen, und sie liefern das falsche Ergebnis in derselben ruhigen Sprache wie das richtige. Eine Summe, die in einer Antwort steht, ist keine geprüfte Summe. Wer Angebote kalkuliert oder Rechnungen zusammenzählt, nimmt dafür eine Tabellenkalkulation und nicht ein Chatfenster.

Die zweite Grenze betrifft Kundendaten. Namen, Adressen, Vertragsnummern und Gesundheitsangaben gehören nicht ohne geprüfte Grundlage in ein Werkzeug, das die Daten auf fremden Servern verarbeitet. Bei Claude gilt für Team- und Unternehmenstarife, dass Inhalte standardmäßig nicht für das Training verwendet werden, für die übrigen Tarife gibt es einen Widerspruch, den du selbst setzen musst. Was dabei im Einzelnen zu beachten ist, steht in meinem Artikel dazu, was der Datenschutz erlaubt.

  • ● Texte entwerfen, kürzen und umformulieren: läuft bei beiden zuverlässig
  • ● Ein langes Dokument zusammenfassen: läuft, solange es in das Kontextfenster passt
  • ● Eine Stelle aus der Mitte eines langen Berichts finden: läuft, braucht aber eine Kontrolle am Original
  • ● Tabellen aus Fließtext ziehen: läuft, die Zuordnung der Spalten prüfen
  • ● Mit Zahlen aus einem Dokument rechnen: nicht verlässlich, gehört in eine Tabellenkalkulation
  • ● Kundendaten ohne geprüfte Grundlage eingeben: nicht zulässig, unabhängig vom Werkzeug

Die dritte Grenze wird selten erwähnt und ist die wichtigste, wenn dich das Kontextfenster überhaupt interessiert: Ein großes Fenster ist keine Zusage, dass alles darin gleich sorgfältig gelesen wird. Anfang und Ende eines langen Dokuments kommen in der Antwort zuverlässiger vor als die Mitte. Wer einen 300-Seiten-Bericht hineingibt und eine Frage zu Seite 140 stellt, sollte die Antwort am Original prüfen. Das ist kein Fehler des Werkzeugs, es ist eine Eigenschaft der Bauweise, und sie betrifft beide.

Daraus folgt eine schlichte Arbeitsregel. Je länger das Dokument, desto enger die Frage. Statt „Fasse den Bericht zusammen" lieber „Nenne mir aus Kapitel 4 alle genannten Fristen mit Seitenzahl". Die Seitenzahl in der Antwort gibt dir die Möglichkeit, in zwanzig Sekunden nachzuschlagen. Ohne diese Kontrolle arbeitest du mit einem Ergebnis, das überzeugend klingt und das niemand geprüft hat. Diese Regel gilt unabhängig davon, für welches der beiden Werkzeuge du dich entscheidest, und sie ändert sich auch mit dem nächsten Modell nicht. Ein größeres Fenster verschiebt die Grenze nach hinten, es schafft sie nicht ab.

Welches du nimmst, wenn du nur eines zahlst

Die Zuordnung ist kürzer, als der Artikel vermuten lässt. Brauchst du regelmäßig Bilder oder willst du deine Gedanken diktieren statt tippen, nimm ChatGPT. Arbeitest du hauptsächlich mit langen Dokumenten, Verträgen oder Berichten, nimm Claude. Machst du beides nicht, sondern schreibst und kürzt vor allem Texte, dann nimm das, dessen Oberfläche dir besser gefällt. An dieser Stelle gibt es keinen belegbaren Unterschied, und jeder, der dir dort einen verkauft, verkauft dir seinen Geschmack.

Zwei Abos nebeneinander lohnen sich erst, wenn du beide Seiten regelmäßig brauchst: Bilder auf der einen, lange Dokumente auf der anderen. Das sind rund 40 $ im Monat, also etwa 480 $ im Jahr. Bevor du das ausgibst, lohnt sich eine Woche Mitschreiben, welche dieser Aufgaben tatsächlich anfällt. Der Architekt aus dem Anfang hätte damit nach fünf Tagen gewusst, dass er eines der beiden nie für etwas benutzt, das das andere nicht auch könnte.

Eine letzte Sache, die dir keiner der beiden Anbieter sagen wird: Die Entscheidung ist weniger endgültig, als sie sich anfühlt. Ein Monatsabo lässt sich kündigen, deine Anweisungen und Vorlagen funktionieren im anderen Werkzeug mit kleinen Anpassungen genauso, und die Einarbeitungszeit, die du investierst, gilt der Arbeitsweise und nicht der Software. Was du dagegen nicht zurückbekommst, ist das halbe Jahr, in dem du vergleichst, statt eine Aufgabe abzugeben.

Fadi Semmo, KI-Workflow-Coach

Über den AutorFadi Semmo
Begleitet Solo-Selbstständige im DACH-Raum dabei, KI in den Arbeitsalltag zu integrieren. Er verfügt über 3+ Jahre Erfahrung mit KI-Workflows und KI-Agenten zur Beschleunigung von Aufgaben und zur Kosteneinsparung.

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